v.l.n.r.: Florian Kuha (Geschäftsführer Nordwasser); Katja Gödke (Geschäftsführerin des Warnow-Wasser- und Abwasserverbandes), Dr. Till Backhaus (Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt M-V), Dr. Ute Fischer-Gäde (Senatorin für Stadtplanung, Bau, Klimaschutz und Mobilität); Ulf Altmann (Geschäftsführer Nordwasser)
30 Jahre Rostocker Kläranlage: Zukunft sichern durch Investitionen und Weiterentwicklung
09.09.2026
Vor 30 Jahren begann auf der Rostocker Kläranlage ein neues Kapitel der Abwasserbehandlung. Mit der Inbetriebnahme der technologisch umfangreich erweiterten Anlage am 9. September 1996 wurde die Grundlage für eine moderne und umweltgerechte Abwasseraufbereitung geschaffen. Heute reinigt die größte Kläranlage Mecklenburg-Vorpommerns das Abwasser von rund 240.000 Menschen sowie von Gewerbe und Industrie in Rostock und der Region.
Seit der Erweiterung Mitte der 1990er Jahre wurde die Anlage kontinuierlich modernisiert und weiterentwickelt. Rund 60 Millionen Euro flossen in die Optimierung der technischen Anlagen und der Infrastruktur. Dadurch konnten die Energieeffizienz verbessert, die Betriebssicherheit erhöht und die Voraussetzungen für eine leistungsfähige und zukunftssichere Abwasserbehandlung geschaffen werden. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Energierückgewinnung. Durch die Nutzung des bei der Abwasserbehandlung entstehenden Klärgases kann die Rostocker Kläranlage heute rund 90 Prozent ihres Energiebedarfs selbst decken.
Größte Einzelinvestition der Anlagengeschichte
Mit dem Neubau der mechanischen Vorreinigung läuft derzeit die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Kläranlage. Die bestehende Anlage wird nach rund drei Jahrzehnten Betriebszeit durch moderne Bauwerke ersetzt. Bis Ende 2028 werden hierfür rund 36 Millionen Euro investiert.
„Die mechanische Vorreinigung bildet den Einstieg in den gesamten Reinigungsprozess der Kläranlage und hat damit eine besondere Bedeutung für den sicheren Anlagenbetrieb. Mit ihrem Neubau investieren wir gezielt in die Zukunftsfähigkeit dieser zentralen Infrastruktur und stellen sicher, dass die Rostocker Kläranlage ihre Aufgaben auch in den kommenden Jahrzehnten zuverlässig erfüllen kann“, betont Katja Gödke, Geschäftsführerin des Warnow-Wasser- und Abwasserverbandes.
Mehr als Abwasserreinigung
Die Aufgaben einer modernen Kläranlage gehen heute weit über die reine Reinigung von Abwasser hinaus. Neben ihrer Kernaufgabe gewinnt die Rostocker Kläranlage zunehmend an Bedeutung als wichtiger Baustein einer nachhaltigen Wasser- und Kreislaufwirtschaft.
Im Fokus stehen dabei unter anderem die Nutzung von Ressourcen, die im Abwasser enthalten sind. Dazu gehören die zukünftige Nutzung von Abwasserwärme im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung, die Wiederverwendung aufbereiteten Abwassers als zusätzliche Wasserressource sowie die Entwicklung neuer Verfahren zur Entfernung von Spurenstoffen. „Die Anforderungen an die Wasserwirtschaft verändern sich rasant. Neben einer zuverlässigen Abwasserreinigung entwickelt sich die Anlage zunehmend zu einem Standort, an dem Gewässer-, Ressourcen- und Klimaschutz zusammenwirken. Von der Nutzung im Abwasser enthaltener Ressourcen über die Wasserwiederverwendung bis hin zur Erprobung intelligenter Steuerungssysteme entwickeln wir die Rostocker Kläranlage kontinuierlich weiter“, sagt Ulf Altmann, Geschäftsführer der Nordwasser GmbH.
Dialog über die Zukunft der Wasserwirtschaft
Anlässlich des Jubiläums kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wasserwirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Partnerunternehmen auf der Rostocker Kläranlage zusammen. Zu den Gästen zählte unter anderem Dr. Till Backhaus, Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommerns. Im Mittelpunkt standen die zukünftigen Anforderungen der europäischen Kommunalabwasserrichtlinie sowie die langfristige Weiterentwicklung wasserwirtschaftlicher Infrastrukturen.
Ein Blick zurück
Die heutige Kläranlage entstand zwischen 1994 und 1996 bei laufendem Betrieb auf begrenzter Fläche im Rostocker Stadtgebiet Bramow. Sie ersetzte eine ältere einstufige Anlage und machte den Weg frei für eine moderne Abwasseraufbereitung in insgesamt sechs Verfahrensstufen. Die Belastung der Warnow konnte dadurch um rund 95 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig wurden die Anforderungen der Helsinkier Konvention zum Schutz der Ostsee sicher eingehalten. Für die Erweiterung der Kläranlage wurden damals rund 82 Millionen Euro investiert.
